Geschichte der Firma Fritz Schmidt, Bayreuth

Kreuzbräu

 

Fritz Schmidt, mein Urgroßvater, wurde am 05. Juni 1862 in Bayreuth als jüngster Sohn des Brauereibesitzers Georg Schmidt (09.05.1829-11.01.1889), Moritzhöfen und seiner Gattin Lisette geb. Hertel (13.05.1833-13.12.1863) geboren. Die Mutter starb am 13. Dezember 1863 nach der Geburt des 6. Kindes im Alter von 30 Jahren. Georg Schmidt ging eine zweite Ehe mit Henriette Hammon (23.05.1827-05.10.1882), aus Kulmbach ein, aus der noch 2 Söhne Daniel und Robert stammen. So wuchsen zwischen der kleinen Brauerei, dem beliebten Biergarten und den Wirtshaus insgesamt 8 kleine Bierschmidts auf:    

 

 

  • Hermann Schmidt (14.09.1853-10.07.1881) Kaufmann
  • Christiane Amos (20.08.1854-11.01.1915), verheiratet mit Georg Amos, Kaufmann in Bayreuth
  • Johanna Arnold (16.06.1856-16.02.1888), verheiratet mit Hans Arnold, Baumeister in New York, Amerika
  • Gustav Schmidt (03.03.1857-21.10.1908), verheiratet mit Wilhelmine Arnold (23.07.1859-1928)
  • Christian Schmidt (29.11.1860-31.12.1894), Kaufmann in New York, Amerika
  • Fritz Schmidt (05.05.1862-20.11.1932), verheiratet mit Jette Schlenk (21.04.1863-11.01.1909)
  • Daniel Schmidt (26.01.1867-04.04.1932), verheiratet mit Marie Schmidt (22.10.1871-04.05.1929), Kaufmann in St. Georgen, Bayreuth
  • Robert Schmidt (24.07.1869-06.12.1924), verheiratet mit Babette Strobel (23.03.1872), Brauereibesitzer in Moritzhöfen, Bayreuth

 

Familie Georg Schmidt

 


 


 

Der „Bierschmidt" umfasste die Brauerei Schmidt, Moritzhöfen 10 (Stammhaus) und die Gaststätte Bierschmidt, Moritzhöfen 8. Feststellbar ist als erster Vorfahr in Moritzhöfen Hans Schmidt (1631-1691). Die Brautradition beginnt mit dem Vater von Georg Schmidt nämlich Johann Adam Schmidt (05.08.1799-20.06.1875 Bürger und vormals Webermeister zu Moritzhöfen). In seine Zeit fällt auch die Beurkundung des Schmidtschen Familienwappens am 16.04.1829.

Moritzhöfen

 

Fritz Schmidt wurde nach einer Ausbildung an der Münchener praktischen Brauerschule 1884 Braumeister und arbeitete in der elterlichen Brauerei Moritzhöfen (genannt Bierschmidt) und wohnte auch dort. Am 25. Oktober 1887 heiratete er Jette Schlenk, Tochter des Gerbereibesitzers Johann Christoph Schlenck (14.12.1826-06.03.1884, Bayreuth Graben 24 und seiner Gattin Margarete geb. Speckner (23.09.1836-12.02.1890). Sein erster Sohn Heinrich wurde am 07. Januar 1889 dort geboren und der Vater Georg Schmidt starb am 13. Januar 1989. Zwecks Erbauseinandersetzung wurden sich die noch lebenden 7 Kinder nicht einig, und der Sohn Fritz aus erster Ehe und Sohn Robert aus zweiter Ehe stritten sich, wer die elterliche Brauerei übernehmen sollte. Nach heftigen Auseinandersetzungen entschied sich die Stiefmutter Fritz Schmidts für ihren Sohn Robert. Dieser führte die Brauerei unter dem Namen Moritzhöferbräu weiter, bis er sie nach dem Ersten Weltkriege stilllegte.


 

Postkarte Moritzhöfen

Gustav Schmidt übernahm die bereits vom Vater gepachtete Gaststätte Bierschmidt mit Wirtschaftsgarten, Kegelhalle und Musikhalle. Die Gaststätte ging nach dem Tod von Gustavs 1908 und seiner Ehefrau 1928 auf ihre jüngste Tochter Marie, genannt Mimi (1900-1959), verheiratetet Welzel über. Die eigentlich dafür vorgesehenen Brüder (Georg und Christian, Brau- und  Metzgermeister) waren 1915 im ersten Weltkrieg gefallen. Christian Welzel (1894-1965), der Ehemann der Wirtin Mimi, errichtete 1929 die erste Asphalt-Doppelkegelbahn Bayreuths. Letzte Wirtin war bis zum Abbruch 1984 Lotte Klinkisch, geb. Welzel (1926-1994).

 

Fritz Schmidt

1889 Gründung Kreuzbräu

Im März 1889 machte sich Fritz Schmidt selbstständig und kaufte von Johann Schott die Schott´sche Brauerei, Kreuz 18. Der Kaufpreis für das ganze Anwesen betrug 43.500 Mark. Dies geschah mit großer finanziellen Unterstützung seiner Schwiegermutter Margarete Schlenk, die, so wird berichtet, voll Stolz das Geld vom Bankhaus Krauß in ihrer Schürze zum Notar trug. Aber auch die Verwandten Wilhelm Senft und Christian Hopfmüller liehen dem Jungunternehmer beträchtliche Summen. 


 

Es wurden auch gleich noch einige angrenzende Scheunen (Stadel Knörr und Schlenk für zusammen 11.450 Mark, Standort der heutigen Mälzerei) und Grundstücke erworben (Kreuz 20). Das kleine alte Sudhaus der Schott´schen Brauerei stand links (jetzt Flaschenkeller), darüber Schrotmühle und Kühlschiff (jetzt Wohnung Kuhr). Der Antrieb der Schrotmühle und der Maischbottiche funktionierte durch einen Göpel, der rechts im Garten (jetzt Mühle) von einem Ochsen angetrieben wurde. Die Lagerkeller befanden sich in den Felsenkellern 99 Gärten. Im gleichen Jahr wurde ein kleiner Pferdestall im Hof gebaut. Die Familie Schmidt wohnte anfangs zur Miete in der Kulmbacher Straße 19 (Blumen Sturm), wo auch am 14. August 1890 Christian Schmidt geboren wurde.


 

1890 Wohnung, Eiskeller I, Gär- und Lagerkeller

Fritz Schmidt wollte zuerst ein Wohnhaus rechts im Garten bauen, aber seine Frau war aus Sparsamkeit dagegen und so wurden Gärkeller und Lagerkeller (jetzt Fasskeller) gebaut, und im ersten Stock eine kleine Wohnung neben der damaligen Schrotmühle. Am 05. September 1892 wurde der 3. Sohn Ludwig in der neuen Wohnung geboren. Als nächstes wurde der Eiskeller I und Lagerkeller (jetzt Eiskeller und Erdgeschoss Kreuz 20, Haus Dressel) gebaut. Die Kosten für diese Bauvorhaben beliefen sich auf insgesamt 30.700 Mark.


 

Fritz Schmidt war unermüdlich am Kundschaft werben und Pläne schmieden. Seine Frau war ihm eine treue Stütze im Geschäft und half ihm im Aufbau. Ab 6 Uhr in der Früh stand sie im Keller um Bier aufzuschreiben, denn am Anfang konnte man sich weder Braumeister noch Buchhalter leisten. Am 28. April 1894 wurde das lang ersehnte Mädchen Marie Schmidt geboren. Als Stütze für Haushalt und Familie wurde im Mai 1895 Frau Christiana Hopf (Christl) eingestellt, und Jette Schmidt konnte sich noch mehr wie bisher um das Geschäft kümmern. Sechs bis acht Knechte und Brauer waren im Kreuzbräu in Kost und Logis und auch die 4 Kinder waren zu versorgen.


 

1895    Neubau Sudhaus und Maschinenhaus

Rohbau Sudhaus

Im Jahre 1895/96 wurde das neue Sudhaus (jetzt Mühle) gebaut. Daran angebaut war das zweistöckige Maschinenhaus für die Dampfmaschine (jetzt Getreidesilo) und das einstöckige Kesselhaus für den Dampfkessel (jetzt Mehlsilo) mit einem mächtigen Schlot (jetzt Mehlrutsche). 

Zusätzlich wurde der 70 Meter tiefe Brunnen gebohrt. Die Baukosten betrugen 38.300 Mark für das Gebäude und 6.160 für den Brunnen.


 

Eine "Complette Sudhauseinrichtung für 20 hl Einmischung=50 hl Ausschlag mit Doppelsudwerk und Dampfbetrieb" wurde für 28.000 Mark im Mai bis August 1896 von der Firma A. Einenkel, Chemnitz montiert. Die Dampfmaschine leistete etwa 20 Pferdestärken bei einem Zylinderdurchmesser von 0,235 Meter, einen Kolbenhub von 0,47 Meter, 6,5 Atü und 90 Touren pro Minute. Der Dampfkessel war 6,6 Meter lang bei einem Durchmesser von 1,8 Meter. Auch für die übrige Ausstattung einer Brauerei mussten immense Anschaffungen gemacht werden. So mussten 13 Gärbottiche (je 3.000 Liter), über 50 Lagerfässer (je 3.000 Liter) und 2.000 Abzugsfässer zum Ausliefern gekauft werden. So betrug die Gesamtsumme für Maschinen und Ausstattung des Sudhauses 45.700 Mark.


 

1896    Kauf Gastwirtschaft Brandenburgerstr. 35

Katasterbestand von 1932: „Wohnhaus mit Wirtschaftslokal, Hinterhaus mit Wohnung, Verbindungsgang mit Treppenhaus, eingebaute Waschküche, Abort mit Pissoir und Holzlege, Wirtschaftshalle und Hofraum zu 790 qm"

Das Haus (eine frühere Nagelschmiede, die Anfang des 19 Jhdt. erbaut wurde) wurde im Wege der Zwangsversteigerung vom Bierwirt Johann Angerer für 24.000 Mark erworben. Das Rückgebäude des Wirtshauses geriet 1897 in Brand, ein Flügel brannte ab und wurde neu erbaut (15.900 Mark) und 1903/04 wurde der Tanzsaal (19.000 Mark) gebaut, woraus dann auch der Name "Brandenburger Vereinssaal" entstand. Im Jahre 1920 wurde das Anwesen an Maria Scharnagel für 55.000 Mark verkauft und 1932 von Rechtsanwalt Dr. Gustav Thoma (der es bei einer Zwangsversteigerung erworben hatte) zu 27.000 Goldmark zurückgekauft. Ein Mietverzeichnis von 1932 zählt in dem Haus immerhin 10 Mietparteien mit 31 Personen mit einer Gesamtmonatsmiete von 89,32 Mark auf. Dies spiegelt sehr interessant die damaligen katastrophalen Verhältnisse auf dem Wohnungsmarkt wieder. Um der Lage Herr zu werden wurden staatliche Wohnämter eingerichtet, die jede Vermietung, Mieterhöhung, Umzug etc. Genehmigen mussten. In einer Wertschätzung von 1933 sind die Wohnungen zum teil als sehr primitiv, klein und ohne elektrisches Licht beschrieben. Für die Wohnungen war nur eine Wasserstelle und ein Abguss im Flur des ersten Stockes vorhanden.


 

1898    Kauf Gastwirtschaft Leopoldstraße 21

Katasterbestand von 1894: „Wohnhaus mit Wirtschaftslokalitäten und Keller, Waschhaus und Stall, Kegelbahn mit Sommerhalle und Hofraum mit Wirtschaftsgarten zu 720 qm"

Der "Deutsche Kaiser" wurde für am 29.03.1898 in einer Versteigerung vom Gastwirt Emil Günther für 82.730 Mark gekauft, brachte mit seinen vielen Mietsparteien aber sehr viel Ärger mit. Jette Schmidt, deren Fachgebiet dies war, hat oft ihre liebe Not, dass alle Wohnungen besetzt waren. Das Gebäude in der ehemaligen Kasernenstraße war 1893 von Emil Günther als Wirtshaus (Restauration) erbaut worden. In den Hinterhof wurde durch Umbau der Ställe und der Kegelbahn zwei Läden, darunter ein Photoatelier eingerichtet.


 

1899    Bau Eiskeller II mit Eisgerüst

Eisgerüst

Eine große Eisgrube (jetzt Malzabsackraum) wurde gebaut, auf dem ein Eisgerüst mit Holzstangen stand. Das gefrorene Wasser wurde abgeschlagen und in die Grube gebracht. Zwei weitere Eisgerüste standen im Hof rechts (wahrscheinlich jetzige Mälzerei oder Büro). Das Wasser wurde aus dem Brunnen hochgepumpt und spritzte aus Kupferbrausen. Es gefror sofort und wurde abgeschlagen und mittels Rollwagen auf Schienen über den Hof zum Eiskeller und Gärkeller (darauf jetzt Haus Dressel) gebracht. Die 3 Schmidt-Buben halfen eifrig und hatten ihren Winterspaß. Die Baukosten betrugen 10.000 Mark


 

1902    Neubau Pferdestall

Der Kundenkreis vergrößerte sich, und es mussten mehr Pferde angeschafft werden. Der alte Stall und Stadel erwies sich bald als zu klein. Beim Neubau benutzte man aus Sparsamkeit leider im vorderen Bereich die alten Grundmauern und so entstand die sich bald als viel zu eng erweisende Hofdurchfahrt. Die Baukosten beliefen sich auf 11.700 Mark.

Die großen Pläne zu verwirklichen erforderte auch viel Kapital, und zu diesem verhalfen die Geschwister von Jette Schmidt. Dies waren Kathinka Hopfmüller (Hotel Reichsadler), Lisette Weyh (übernahmen die Gerberei Schlenk) und Marie Senft (Braumeister Bavaria Brauerei Hof). Eine vorbildlicher Zusammenhalt herrschte in dieser Generation. Bei der Familie Weyh im elterlichen Geschäft Graben 24 war der Treffpunkt der großen Familie, aber oft mussten die Kinder auch vor die Tür, wenn etwas nicht für ihre Ohren bestimmt war.

Kinder Fritz Schmidt


 

Um 1899 gab es im Kreuzbräu nur Petroleumlampen und im Wohnzimmer herrschte mit der Petroleumstehlampe am Tisch eine große Gemütlichkeit. Anfang 1900 wurde alles auf Gasbeleuchtung umgestellt und es gab immer ein großes Malheur wenn der Gasglühstrumpf in sich zusammenfiel und plötzlich alle finster war. Um 1910 bekam Bayreuth dann von einem eigenen Elektrischen Werk das elektrische Licht und der aufgeschlossene Kreuzbräu rüstete ab 1910 alles damit aus, was einen großen Fortschritt bedeutete. Die Außenbezirke Bayreuths wurden allerdings erst viel später an das Elektrizitätsnetz angeschlossen. So wurde das Gasthaus Thurnauer Hof an der Hügelstraße erst 1929 an die Freileitung angeschlossen, was immerhin 200 Mark für den Anschluss und 385 Mark für Komplettinstallation kostete.

 1903    Kauf Gastwirtschaft Hirschenstraße 25

Katasterbestand von 1898: „Wohnhaus mit Wirtschaft und Backofen, Keller, 2 Waschküchen, Holzlegen, gedeckte Einfahrt und Hofraum, Wirtschaftshalle mit Schanklokal und Wirtschaftsgarten zu 550 qm"


 

Die Wirtschaft "Feuchtes Eck" (Ecke Hirschenstraße und Peuntgasse) wurde am 10. Juni 1903 von der Witwe Maria Ötterer übernommen. Der Kaufpreis betrug 34.500 Mark für das Anwesen inkl. 1.500 Mark für das Mobiliar. Am 20. April 1909 wurde diese für 37.000 Mark an den Bäckermeister Otto Rost verkauft. Für 33.000 Mark wurde die Wirtschaft aber am 11.02.1913 wieder im Wege der Zwangsversteigerung von Ludwig Schmitt um 33.500 Mark zurückgekauft. Die Hirschenstraße wurde später in Carl-Schüller-Straße umbenannt, ebenso das Wirtshaus, das in „Restauration Stadt Hof" umbenannt wurde. Nach einer Aufstellung aus den Vierziger Jahren wohnten 8 Parteien im Haus, die insgesamt 165,30 Mark monatlich an Miete zu entrichten hatten. Im April 1945 fiel dieses Anwesen leider einem Bomben-Volltreffer zum Opfer. Jahrelang lag das Grundstück brach und die Aufbaupläne wurden immer wieder verworfen, da die Herstellungskosten von ca. 150.000 DM die finanziellen Möglichkeiten der Nachkriegszeit überstiegen. Das Ruinengrundstück wurde schließlich am 03. Oktober 1969 an die Kaufmannsehefrau Rosemarie Jakob für 15.000 DM verkauft.


 

Es wurden schon wieder neue Pläne geschmiedet. Eine Scheune wurde vom unteren Hof weiter in den oberen Hof gerollt und 1908 zu einer Eisgrube ausgebaut (heute alte Werkstatt).

1904    Neubau Mälzerei

Aushub Mälzerei

Die Mälzerei wurde geplant und der Grund gegraben. Viele Felsen wurden gesprengt, denn der Keller musste 2 Stockwerke tief für die Tennen ausgehoben werden.

Viele Fuder Sand wurden an den gleichzeitigen Krankenhausneubau in der Nachbarschaft verkauft und man hatte trotzdem noch lange einen haushohen Sandberg im Garten, der mit Turngerüsten aller Art ein Tummelplatz aller Kinder war. Bereits im Jahre 1900 hatte die Planung begonnen, wie aus verschiedenen Entwürfen der Fa. A. Einenkel, Technisches Bureau für Anlage, Einrichtung und Umbau von Brauereien, Mälzereien und Kellereien Feuerungs- und Heizungsanlagen, Chemnitz belegen. Das Treppenhaus wurde mehrfach verlegt und der Platz für ein kleines Kontor stand auch noch nicht fest. Die reinen Baukosten betrugen 54.300 Mark und die Maschineneinrichtung schlug noch einmal mit 31.700 Mark zu Buche. Für die Darr-Horden wurde ein Wender mit Kettenantrieb der Fa. J.A. Topf & Söhne, Feuerungsapparate und Maschinen-Bauanstalt, Erfurt eingebaut..

 

Rohbau Mälzerei

Dieses Bild zeigt die Familie auf den Grundmauern der Mälzereibaustelle mit dem neu erbauten Städt. Krankenhaus im Hintergrund.

 

 

Der Antrieb in der Mälzerei erfolgte vom Sudhaus aus. Dafür wurde eine Transmission zwischen beiden Häusern gebaut (im 3. Stock)

Das Geschäft vergrößerte sich trotz scharfer Konkurrenz und der Chef Fritz Schmidt war auch immer unermüdlich und nicht zu übertreffen im Kunden werben. Wo der "Kreuzbräu" auftauchte, war Leben und an Späßen fehlte es nicht. Sonn- und Werktags war er unterwegs mit seinem Einspänner um Kunden zu werben.


 

Belegschaft 1905

Ein Gruppenbild aus dem Jahre 1905 zeigt die Arbeiter und Angestellte des Kreuzbräus. Es ist im unteren Hofraum vor aufgetürmten Fässern aufgenommen Der Firmengründer und sein Braumeister sitzen am Tisch und die Arbeiter sind mit ihren berufstypischen Utensilien ausgestattet. So sieht man Kutscher mit Peitschen, Mälzer mit Holzschaufeln, einen Büttner mit Hammer, einen Schmied mit Zange, einen Schreiner mit Säge und die Bierbrauer mit ihren Taschenuhren.


 

Neubau Mälzerei

Im Jahre 1905 wurde der Mälzereibau fertig und Fritz Schmidt erkrankte schwer am Herzen. Die erste angelieferte Gerste musste ihm ans Krankenbett gebracht werden. Im darauffolgenden Frühjahr führte er eine Kur in Nauheim durch, zu der er nicht einmal alleine reisen konnte, sondern von seinem Schwager Hopfmüller begleitet wurde. Sie wirkte jedoch wahre Wunder, wurde jahrelang regelmäßig wiederholt und er erholte sich wieder recht gut.

Plandetails Mälzerei

Querschnittsplan Mälzerei

 

                           

1906    Bau der Veranda

Durch einen Umbau des Daches wurde eine Veranda geschaffen. Ein wunderbarer Blick bot sich nun von dort über die Dächer Bayreuths. Der Bau wurde vom Baugeschäft Gebrüder Wölfel für rund 1.000 Mark durchgeführt.


 

1906    Kauf Gastwirtschaft Wolfsgasse

Die Wirtschaft "Frische Quelle" in der Wolfsgasse Nr. 7 wurde in einer Versteigerung für 35.200 Mark erworben und 1920 wieder verkauft. Mit dem jetzigen Gasthaus gleichen Namens in der unteren Fußgängerzone hat diese allerdings nichts zu tun. Die alte Wirtschaft in der Wolfsgasse wurde im Zuge des Neubaus des Stadtkernrings abgerissen.


 


 

Familienbild 1906

Fritz Schmidt mit seiner Familie (Christian, Jette, Marie, Ludwig und Heiner v.l.) im Gemüsegarten 1906

 

 

 

 

1906    Kauf Gastwirtschaft Kreuz 9

Katasterbestand von 1896: „Wohnhaus im Kreuz mit Felsenkeller und Backofen, Holzlegen, Kegelzimmer mit Kegelbahn, Wirtschaftsgarten und Hofraum, Abortgrube hinter dem Hause, Gemüsegarten hinter der Kegelbahn" zu 610 qm.

Bis 1889 war die Brauer-Dynastie Kritzenthaler Besitzer des Hauses. Damals hieß die Wirtschaft noch Angermannscher Bierkeller und war eines der Stammlokale von Richard Wagner. Die Wirtschaft "Linde" wurde zusammen mit einer kleinen Bäckerei (Hausbackrecht, das bald aufgegeben wurde) am 22.03.1906 von Wolfgang Hübner gekauft. Der Kaufpreis betrug 23.000 Mark für das Gebäude und 2.000 Mark für das Mobiliar. Das Anwesen wurde mehrere Male umgebaut (1906 Anbau des Rückgebäudes hinter der Mauer, 1915 Umbau der früheren Backstube und Abriss des Backofens, 1938 Anbau eines Nebenzimmers und der Toiletten). Die Pächter wechselten und jedes Mal wurde ein peinlich genaues Inventarverzeichnis aufgestellt, das einen guten Einblick in die damaligen Verhältnisse in einer Gastwirtschaft gibt (... 1 Schankfensterglocke, 1 Anschreibetafel, 3 Gaslampen, 1 Filzpresse, 2 Spucknäpfe, 1 Kartenpresse, ...). Das Pachtgeld betrug 800 Mark im Jahre 1921 und 840 Mark im Jahre 1938. Eine Erhöhung der Pacht musste im Jahre 1938 vom Oberbürgermeister als Preiskommissionär der Obersten Preisbehörde erst genehmigt werden. Lange Jahre (1928-1957) war hier Fritz Hofmann Wirt und Garant für gute Gastlichkeit. Neben diesen war das Wirtshaus auch noch Zuhause für 4 Mietparteien, wie ein Mietverzeichnis aus den Vierziger Jahren belegt (insgesamt 22,25 Mark Monatsmiete).

 

Bierwagen

Der Fuhrpark umfasste nun 7 Pferde (Peter, Kastor, Wodan, Fritz, Jakob, Hans und Fanny), 1 Halbchaise, 1 Einspänner-Chaise, 1 großer Gesellschaftswagen, 2 Kohlenwagen, 2 Brückenwagen, 1 Sandwagen, 1 Leiterwagen, 7 Bierwagen, 1 Trebernwagen, 1 großer Bierschlitten, 1 kleiner Bierschlitten, 1 Rennschlitten


 


 

 

1907    Kauf Gastwirtschaft "Roter Hügel"

Die Wirtschaft (Wohnhaus Oberobsang No. 12 mit Restauration, Saalbau, Garten, Keller, Kegelbahn und Hofraum) wurde 1905 zusammen mit etwas Grund für 17.000 Mark gekauft. Weitere Grundstücke (14 Tagwerk) wurden 1907 (Acker im Österreich an der Hohen Straße, 11.310 qm von Fritz Weih um 2.800 Mark) und 1908 (Acker an der Hohen Straße auf dem Roten Hügel, 39.720 qm von Wilhelm Männlein um 9.500 Mark) gekauft. Es war ein stattliches Ausflugslokal auf der Spitze des Roten Hügels mit herrlichem Ausblick auf die Stadt. Es lag damals noch weit vor der Stadt und viele Spaziergänger gingen durch Felder und Wiesen hinauf und löschten dort ihren Durst. Zuerst ließ Fritz Schmidt alle Felder selber bewirtschaften, aber mit den vorhandenen Arbeitskräften war dies auf die Dauer nicht zu realisieren. 1910 wurde alles (über 51.000 qm) an die Familie Johann Kolb für 29.500 Mark verkauft und ein Bierlieferungsvertrag abgeschlossen. Nicht auszudenken, welch schöne spätere Baugrundstücke somit aus der Hand gegeben wurden.


 

1908    Kauf einer Gastwirtschaft in Pegnitz

Selbst in Pegnitz am Bahnhof kaufte Fritz Schmidt für 60.300 Mark die gut gehende Gastwirtschaft „Zum Bahnhof" (Wohnhaus mit Gasthof, Stadel, Eiskeller, Wirtschaftsgarten). Sie wurde 1908 an die Familie Lutter verpachtet und 1918 mit einem Bierlieferungsvertrag für 57.000 Mark verkauft.


 

1909    Bau der Gastwirtschaft Thurnauer Hof, Hügelstraße

„Zu einen Bahnhof gehört ein Wirtshaus."

Thurnauer Hof

Diese alte Binsenweisheit hat der Kreuzbräu sofort in die Tat umgesetzt, als er erfuhr, dass die Bahnlinie Bayreuth-Thurnau errichtet wird. Bereits 1905 sicherte sich Fritz Schmidt einen Bauplatz an der im Jahre 1908/1909 erbauten Lokalbahn Bayreuth-Thurnau (Acker am Oberobsanger Weg, 2.794 qm von Lorenz Hörb um 7.000 Mark). 

Im Jahre 1909 wurde das Wirtshaus an der Haltestelle Herzoghöhe eröffnet und das Wirtsehepaar Laus (Metzgergeselle aus Neuhaus) erlangte bald einen solchen Ruf, dass das Wirtshaus noch heute im Volksmund nur die Laus heißt. Es wurde für den Gartenbetrieb eine Gartenhalle und ein Unterstellstall für Pferde angebaut. Die Bau- und Einrichtungskosten (Wohnhaus mit Restauration, Glashalle, Wirtschaftsgarten und Hofraum) betrugen 32.200 Mark. Mutterseelenallein stand das Haus zwischen Wiesen und Feldern, in unmittelbarer Nähe zur Stadtgärtnerei. Eine ausführliche Schätzung aus dem Jahre 1930, die sich in den Akten befindet, beschreibt sehr gut das gesamte Anwesen. Insgesamt 5 Mietsparteien bewohnten das Haus, was einen Mietertrag von immerhin 1.140 Mark (jährlich) brachte.


 

Im Mai 1907 wurde die Mutter Jette Schmidt von einem schweren Leiden befallen und Brustkrebs musste im neuen Krankenhaus in der Nachbarschaft operiert werden. Leider mussten diese Operationen noch wiederholt durchgeführt werden, was auch zu ihrem baldigen Tode am 11.01.1909 führte, der die Familie schwer heimsuchte. Am Pfingstmontag 1909 bahnte sich ein großes Ereignis am Himmel über Bayreuth an. Das erste Lenkbare Luftschiff Graf Zeppelin, das auf dem Weg nach Berlin war, wurde um 10 Uhr früh gesichtet und bot einen überwältigenden Anblick, der die ganze Stadt in totale Aufregung versetzte. Später hatte man in Bayreuth noch öfters das Glück solch herrliche Flüge zu beobachten. 1910 wurde in Bayreuth das Fest „100 Jahre Zugehörigkeit der Stadt Bayreuth zur Krone Bayerns" würdig begangen und Marie Schmidt durfte als Ehrenjungfrau den späteren König Ludwig III mit empfangen.


 

Familienbild 1914

Dieses Bild wurde kurz vor Beginn des Krieges aufgenommen. Fritz Schmidt wollte dieses Foto unbedingt, obwohl seine Kinder keine rechte Lust hatten. Vielleicht ahnte er ja, dass dies das letzte Bild der kompletten Familie wurde.

 


 


 


 


Um seine Firmennachfolge rechtzeitig zu sichern, sorgte Fritz Schmidt dafür, dass seine Söhne eine passende Berufslaufbahn einschlugen:
 

Heinrich Schmidt

Heinrich Schmidt (07.01.1889 - 22.06.1945)

Sohn Heinrich hatte ursprünglich kein großes Interesse am väterlichen Betrieb. Nach seinem Wunsch kam er 1905 nach der mittleren Reife mit 16 Jahren ins Bankhaus Kraus, Bayreuth in die Lehre und ging im Oktober 1908 nach Berlin zur Deutschen Bank. 1909 bis 1910 kehrte er nach Bayreuth zu seiner Militärzeit zurück. Als Einjährig-Freiwilliger war er beim 7. Infanterie Regiment in Bayreuth. Von Anfang an war er an der Front dabei und wurde nach dem Tode von Christian und Ludwig als letzter der drei Brüder aufgrund einer Eingabe seines Vaters (Blutopfererlass) 1917 nach 3-jährigen Fronteinsatzes zurück in die Heimat versetzt.

 

Christian Schmidt (14.08.1890 - 18.09.1914)

Christian Schmidt als Absolve

Die Berufslaufbahn von Christian zielte von Anfang an darauf ab, den elterlichen Betrieb zu übernehmen. 1907 kam er nach der mittleren Reife nach Nürnberg ins Getreidegeschäft Sachs zur Lehre. Nach Beendigung seiner kaufmännischen Lehrzeit kam von 1908 bis zum 01.10.1910 als Brauereilehrling nach Bayreuth ins Kreuzbräu zurück. Seine Militärzeit leistete Christian 1910-1911 als Einjährig-Freiwilliger bei 7. Infanterie Regiment in Bayreuth ab. Der Vater war 1910 sehr stolz auf seine beiden Soldaten und war sehr traurig, dass ihre Mutter dies nicht mehr sehen konnte. 1911 ging Christian zu seiner weiteren Ausbildung in die Fremde. Seine Stationen waren: Binding Brauerei in Frankfurt, Aktienbrauerei Dortmund, Germania Brauerei Dortmund und Ritterbrauerei Dortmund. 1913 ging er zur Paulaner Brauerei München und danach zur Riebeck Brauerei Erfurt. Anschließend besuchte er die Brauereischule in Weihenstephan. 1912 machte er die Reserveübung A und kehrte 1914 als Diplom Braumeister aus Weihenstephan heim und wollte endlich als langersehnte Stütze ins elterliche Geschäft einzutreten. Leider vereitelte der im Juli 1914 beginnende I. Weltkrieg alle Pläne. Christian, der gerade seine Reserveübung B noch machen wollte, wurde als Reserveoffiziers-Aspirant sofort eingezogen und war ein begeisterter Vaterlandsverteidiger. Von Erlangen aus kam er zum Brigade Ersatz Bataillon Nr. 10 in die Vogesen, wo er bei Mühlhausen seine Feuertaufe erlebte. 

Bereits am 27.08.1914 wurde Christian bei einem Gefecht bei Saint Die im Elsass am Fuß 3 Zehen abgeschossen. Am 02.09 kam er mit einem Lazarettzug in das Hilfslazarett (Taubstummenschule in der Markgrafenallee) nach Bayreuth wo er sehr gut untergebracht war. Die ganze Familie konnte ihn besuchen und freute sich sehr, ihn in der Nähe zu haben. Sein ganzes Sehnen galt aber wieder hinaus ins Feld zu kommen, und sein Vaterland zu verteidigen. Am 2. Tage aber stellte der Arzt Wundstarrkrampf fest und ein schweres Leiden begann für den kräftigen jungen Mann. Am ersten Verbandsplatz war versäumt worden, ihm eine Tetanusspritze zu geben. Er litt unsagbare Schmerzen und bot unter den Krampfanfällen einen erschütternden Anblick bis ihn endlich am 18.09.1914 der Tod im Alter von 24 Jahren erlöste. Er wurde als erster Bayreuther, der den Heldentod fand, in der heimatlichen Erde bestattet.

Es war ein schwerer Schlag für die Familie und für die Firma, denn mit Christian war der ausgebildete Fachmann für das Geschäft verloren.

Ludwig Schmidt (05.11.1892 - 16.04.1917)

Ludwig Schmidt

Ludwig lernte nach Beendigung der Schule 1910 ebenfalls das Brauerhandwerk daheim und sollte nach Beendigung der Lehre ebenfalls in die Fremde. Ludwig war genauso kriegsbegeistert wie seine Brüder, wurde aber aufgrund seiner Jugend nicht sofort eingezogen. Er wurde als Ersatz-Reservist gemustert und glaubte abseits zu stehen, während seine Brüder ins Felde zogen. Selbst nach dem Tod von Christian wollte er sich noch freiwillig melden, was aber Vater Schmidt verbot. Im November 1914 wurde er aber dann doch eingezogen. Nach seiner Ausbildung im hiesigen Ersatzregiment kam er 1915 ins Feld zur gleichen Formation wie Christian Ersatz Bataillon Nr. 10. 1915 kam er zu einem Offiziers-Aspiranten-Kurs nach Döberitz und nach Regensburg um danach gleich wieder ins Felde zu kommen. Im April 1916 erlitt er durch Schrapnellschüsse eine Rückenverwundung und kam nach Straßburg ins Lazarett Kaiserpalast. Dort wurde er von seinem Vater und Bruder Heinrich besucht. Nach Genesungsurlaub ins Regensburg im August 1916 begleitet ihn seine Schwester Marie noch zum Bahnhof, wo sein Zug ins Feld abfuhr. Keiner der beiden ahnte, dass dies das letzte Wiedersehen zwischen ihnen gewesen sein sollte. Im Januar 1917 wurde er zum Leutnant befördert, und sollte im April Urlaub bekommen. Die Frühjahrsoffensive verhinderte dies und sein Regiment wurde nach Reim mitten in die schwersten Kämpfe verlegt. Bei Vill aux bois erlitt er einen schweren Nackenschuss und sollte hinter die Linien geschafft werden. Schweres Trommelfeuer verhinderte dies und bis zum Abend wurde das ganze Bataillon gefangen genommen. Er wurde wohl ärztlich versorgt, aber es traten bereits erste Lähmungserscheinungen ein, und bewusstlos wurde er seinem Schicksal überlassen. Es ist wohl anzunehmen, dass er nach den ersten Stunden der Gefangenschaft ausgelitten hatte. Sein Grab blieb unbekannt und seiner Familie wurde er als vermisst gemeldet. Der zweite Fachmann für die Firma war tot und die ganze Tragweite dieses Verlustes noch gar nicht zu übersehen.


 

1915    Bau Wagenremise

Neben dem Eiskeller IV (heute alte Schreinerei) wurde eine große Remise zum Unterstellen der zahlreichen Wagen gebaut. Im ersten Stock wurde ein Bretterboden eingerichtet. Die Baukosten betrugen 10.000 Mark.

Der Weltkrieg riss überall große Wunden. Alle jungen Männer von Verwandtschaft und Freunden wurden nach und nach eingezogen. Der tägliche Heeresbericht wurde mit Bangen verfolgt und man wartete immer auf Post aus dem Felde. Die Nahrungsmittel wurden bereits 1915 rationiert. Man konnte kleine Paketchen ins Feld schicken und war für die zurückgebliebene Schwester Marie nicht einfach dafür etwas zu organisieren. Kurz vor dem Krieg hatte Marie ihren Ehepartner Karl Dressel aus Hof (geb. 26.12.1883) gefunden, der allerdings vor der Hochzeit auch sofort einrücken musste. Die Verlobung konnte bei einem Fronturlaub am 05.12.1915 gefeiert werden.

Nach dem Tode von Christian und Ludwig wurde der letzte der drei Brüder aufgrund einer Eingabe seines Vaters (Blutopfererlass) 1917 nach 3-jährigen Fronteinsatzes zurück in die Heimat versetzt. Heiner entschloss sich seinen Beruf als Bankfachmann aufzugeben und das elterliche Geschäft zu übernehmen. Neben seinem Militärdienst in der Heimat arbeitet er sich Zuhause ein.

Geschichtlicher Exkurs:

Der Waffenstillstand wurde im November 1918 geschlossen, und die Deutschen hatten den Krieg verloren. Alle Opfer waren zu Ende, aber letztendlich auch umsonst gewesen. Der Kaiser floh nach Holland, die Regierung wurde entmachtet und die Republik erklärt. Das Heer wurde entwaffnet und die Soldaten kamen in die Heimat zurück, wo ihnen auf der Straße von Aufständischen die Schulterklappen und Auszeichnungen abgerissen wurden. Umzüge von allerlei Menschen verschiedenster Couleur waren täglich zu sehen. Im Februar 1919 war die Räterepublik in München ein Chaos und überall folgten Streiks und Unruhen. Frankreich marschierte über den Rhein und besetzte das Ruhrgebiet. Die bayerische Hauptstadt wurde von Aufständischen eingeschlossen und die Kommunisten regierten. Eine rote Armee verteidigte die Stadt und mangels staatlicher Militärgewalt wurden täglich viele Geiseln verhaftet und erschossen. Das Freikorps Epp wurde gebildet und viele Männer meldeten sich freiwillig um München wieder zu befreien. Am 18.06.1919 wurde der Friedensvertrag in Versailles unterzeichnet. Die Folgen des verlorenen Krieges waren täglich zu spüren. Die Arbeitslosigkeit stieg gewaltig, Lebensmittel waren rationiert und das Geld verlor täglich an Wert.


 

Hochzeit Carl & Marie Dressel

Feilitzsch


 

Auch Karl Dressel kehrte gesund aus dem Krieg heim und nun wurde endlich am 05.05.1919 Hochzeit gefeiert. Karl Dressel war Teilhaber der Zwirnerei Friedrich in Feilitzsch bei Hof. Ende April 1919 wurde die neue Wohnung eingeräumt und Marie Dressel musste mehrfach den beschwerlichen Weg mit dem Zug nach Feilitzsch auf sich nehmen um das ganze zu überwachen. Diese Zugreise bedeutet damals stundenlange Warterei auf Anschlüsse und mangels Anschlusszug einen Fußmarsch von Neuenmarkt nach Trebgast, wo sie dann mit dem Einspänner abgeholt wurde. Im alten Hotel Reichsadler am Marktplatz war die Hochzeitsfeier im engsten Familienkreis und von der Verwandtschaft wurde je 1 Gast geladen. So erforderten es die Umstände. Ein schönes Haus in Feilitzsch mit einem großen Garten wurde bezogen. Am Weihnachtsabend 1919 überraschte eine Frühgeburt die Familie Dressel. Die Zwillinge Gusti und Friedel wurden geboren. Durch schweres Heben eines Krautfasses wurde die Geburt verursacht und die gute Christl aus Bayreuth musste einspringen und nach der Geburt den Haushalt erledigen. Es erforderte viel Anstrengungen die Kindchen durchzubringen, da selbst Kindernahrung oder Milchpulver fast nicht aufzutreiben waren.


 

Heinrich Schmidt verlobte sich mit Else Naundorf aus Hof (eine Cousine von Karl Dressel) und übernahm im Betrieb die Geldgeschäfte, worüber Fritz Schmidt sehr froh war. Die Zügel ließ er aber nicht aus der Hand und war den ganzen Tag tätig. Am 27.10.1919 heiratete Heinrich seine Verlobte Else und bezog die väterliche Wohnung, die zwischen Vater und Sohn geteilt wurde. Nacheinander wurden drei Töchter Anneliese (27.08.1920), Marie (22.11.1921), Else (06.02.1923) geboren.

 

Das Biergeschäft ging seinen Gang und alle Einnahmen mussten sofort umgesetzt werden, denn die begonnene Geldentwertung war täglich mehr zu spüren. Der erste Lastwagen des Kreuzbräus wurde 1922 für 12.000 Mark angeschafft. Fritz Schmidt, der ein großer Freund von Fotos war, ließ sich auch gleich ganz stolz mit dem neuen Gefährt in der Kanalstrasse beim Fotografen Engelbrecht ablichten. Der LKW Marke M.A.N. Sauerer konnte 2 ½ t Nutzlast transportieren und war mit Vollgummireifen und Karbidlampen ausgerüstet.

Der erste Lastwagen 1922

 


 

Exkurs zur Inflation:

1922 kostete 1 Pfund Kirschen 9 Mark 1923 6.000 Mark 1924 400 Milliarden

1922 1 Pfund Weizenmehl 250 Mark, 1 Pfund Zucker 200 Mark, 1 Ltr. Milch 100 Mark, 1 Ei 30 Mark und eine Zitrone 70 Mark. Die deutsche Währung verlor ständig an Wert, alles richtete sich nach dem Dollar und man musste alle Einnahmen sofort umsetzen. Die Großeltern Dressel in Hof mussten in ihrer Metzgerei mit gewaltigen Summen rechnen. Preise Stand 08.09.1923:

1 Pfund Gefrierfleisch 1.955.000 M

1 Hammel 245.850.000 M

Sehr deutlich wird die fortschreitende Geldentwertung auch an den Gehälter der Arbeiter. So betrug das Wochengehalt des Kellermeisters Fritz Lindner im

November 1920 211 Mark November 1922 5.625 Mark

August 1921 250 Mark Januar 1923 9.728 Mark

November 1921 315 Mark Februar 1923 24.368 Mark

Dezember 1921 375 Mark März 1923 43.877 Mark

Februar 1922 470 Mark Juni 1923 96.615 Mark

April 1922 702 Mark Juli 1923 550.000 Mark

Juni 1922 1.041 Mark August 1923 4.200.000 Mark

September 1922 1.957 Mark September 1923 11.600.000 Mark

Oktober 1922 3.053 Mark Oktober 1923 42.000.000 Mark

Danach erfolgte ein Währungsschnitt zum 01.01.1924 so dass das Gehalt des Kellermeisters im Januar 1924 wieder 21 Mark die Woche betrug.


 

1921    Bau der oberen Fuhr

Die seit langem entbehrte zweite Zufahrt konnte endlich in Angriff genommen werden. Durch Anpachtung des Grund vom Schreinermeister Hörath (Kreuz 22), dem der jetzige obere Garten gehörte und mit Erlaubnis der Stadt, über deren Grund der Weg auch führte (Krankenhausareal und Zentralhalle) war das Anlegen einer Strasse möglich. Das Baugeschäft Albrecht führte die Arbeiten für 3.300 RM aus. Der steile Berg, der teilweise gefährlich und eine Tierquälerei darstellte, konnte nun mit den schweren Fuhrwerke umfahren werden. Auch wurde der Weg zur Bahnstation Herzoghöhe damit erheblich abgekürzt. In der damaligen Zeit wurde fast sämtliches Bier, Getreide und Malz mit der Bahn transportiert. Im Jahr 1930 erhielt z.B. die Firma allein 374 ankommende Waggons.

In den zwanziger Jahren war dann von seitens der Stadt geplant, die Carl-Burger-Str. Geradeaus durchzuführen und über das Gelände des oberen Gartens Richtung Herzoghöhe zu leiten. Diese Planung, für die sogar schon Grund erworben wurde, wurde aber Anfang der Dreißiger ad acta gelegt und eine andere Straßenführung gewählt.


 

1923    Stilllegung der Brauerei

Der Winter versagte 1922 und 1923 völlig, und die für eine Brauerei so wichtigen Eislieferungen blieben vollständig aus. Die Eiskeller blieben leer und es konnte fast kein Bier mehr hergestellt werden. Eine Kühl- und Eismaschine war im Hochstand der Inflation und Beschlagnahmung von Material unmöglich anzuschaffen und so reifte der Plan die Brauerei aufzugeben. Langwierige Verhandlungen begannen mit Dir. Raabe von der Reichelbrauerei Kulmbach sowie Dir Säuberlich von der Ersten Kulmbacher Aktienbrauerei im November 1922. Es wurde ihnen das damals so wichtige Braurecht (Kontingent) von 12.683,50 Hektoliter sowie die Belieferung der 55 Kreuzbräu-Kunden angeboten. In einem der ersten Vorschläge sollte die EKU das gesamte Inventar des Kreuzbräus (4 Pferde gesund und zugfest zu 2 Mio. M, 4 schwere Bierwagen zu 400.000 M, 4 leichte Wagen, 3.000 Bierfässer zu 7,5 Mio. M, 15.000 Bierflaschen mit Abfülleinrichtung zu 2,3 Mio. M etc.) übernehmen und die Räumlichkeiten pachten um dort eigenständig ihr Bier abzufüllen. Das gesamte Personal sollte übernommen werden und Fritz Schmidt für seine Oberleitung ein Gehalt von 10 % des Gesamtumsatzes erhalten. Die Mälzerei aber sollte weiterhin selbständig im Besitz bleiben. Schließlich einigte man sich aber darauf, dass die komplette Selbständigkeit der Firma erhalten bleibt und nur das Braurecht übergeht. Die EKU errichtet eine Niederlassung in der Firma, wo auch das Bier abgefüllt wird. Die Belieferung der Kunden übernimmt die Firma Fritz Schmidt. Als Bezahlung war auch lange ein Aktienpaket im Gespräch, letztlich wurde aber doch Bargeld (1,2 Mio. Mark) daraus. Am 10.02.1923 wurde der Vertrag geschlossen und die Brauerei Kreuzbräu hörte auf zu existieren.


 

Die neue Firma Fritz Schmidt entstand und annoncierte im Bayreuther Tagblatt:


 

1923 Stillegung Brauerei


 

Am 13. März 1923 traf die erste Lieferung aus Kulmbach ein. Die Bierfässer kamen mit dem Zug aus Kulmbach zur Station Herzoghöhe und mussten von dort per Fuhrwerk ins Kreuz transportiert werden. Hier erfolgte dann die Umfüllung in Flaschen. Dies geschah auf den bisher auch genutzten Abfüllmaschinen. Die Geschäfte liefen sehr gut und ein wahrer Ansturm auf das Kulmbacher Bier begann. So musste im Juli 1923 der Brauerei Philipp Held in Waischenfeld (der ebenfalls seine Brauerei aufgeben wollte) mitgeteilt werden:

„...Zu meinem Bedauern muss ich ihnen jedoch leider mitteilen, dass es bei dem gegenwärtigen Ansturm auf das Kulmbacher Bier aus dieser Brauerei nicht möglich ist, sie zur Zeit zu bedienen. Wir sind jedoch gerne bereit der Angelegenheit in einer ruhigeren Zeit näher zu treten..."


 

Sämtliche Lager- und Transportfässer und die Gärbottiche wurden von der EKU gekauft. Die Sudeinrichtung mitsamt der Dampfmaschine und des Kessels wurde verschrottet. Im November 1923 erreichte die Inflation ihren Höhepunkt und 1 Pfund Brot kostete 1 Billion Mark.


 

1923    Umbau Eiskeller II zum Malzabsackraum

Malzabsackraum

In die riesige Eisgrube neben die Mälzerei wurde eine Decke eingezogen. Im darüber befindlichen einstöckigen Raum wurden Fenster ausgebrochen und eine Rampe und ein Tor angebracht. Die Bauarbeiten führte im Juni 1923 die Fa. Nützel durch

 

 

 

1924    Umzug Familie Dressel nach Bayreuth und Bau der Wohnung

Wohnung Dressel Kreuz 20

Durch die abnormen Verhältnisse kam es auch zum Stillstand der Feilitzschen Zwirnerei. Karl Dressel bot seinen Anteil den übrigen Gesellschaftern an und nach Abschluss trat er am 01.01.1924 in die Firma Fritz Schmidt in Bayreuth ein. Die Herausgabe des Kapitals aus Feilitzsch (in inflationssicheren Goldmark) veranlasste viel Ärger. Die Dressels wollten nach Bayreuth ziehen, aber bei der bestehenden Wohnungsnot, war die Unterbringung ein schweres Problem für Vater Schmidt. Aber er hatte soviel gebaut in seinem Leben, und so wollte er auch noch eine Wohnung für seine Tochter bauen. Im Dezember 1923 wurden Pläne gemacht und das bestehende Eishaus I, das bisher 1 Stock mit einem Schrägdach aus der Erde ragte, wurde auf Hofniveau zurückgebaut. Darauf wurde eine geräumige Wohnung auf 2 Etagen gebaut. Ärger gab es mit dem Nachbarn Höreth (Kreuz 22), der auf eine enorme Dachschräge bestand. Es wurde mehrfach umgeplant, aber 1924 wurde dann der Plan mit einer etwas geringeren Schräge genehmigt. Ein Durchbruch zum alten Haus verband die beiden Wohnungen. Die Bauarbeiten führte die Fa. Nützel für 6.205 Goldmark durch. Im Mai 1924 kam Marie Dressel mit den beiden Mädchen im Möbelwagen aus Feilitzsch und hielt Einzug im Kreuz.


 

1924    Einrichtung der Mühle

Das leere Sudhaus veranlasste die Familie zu verschiedenen Plänen, aber Karl Dressel wollte nur eine Branche, die mit Nahrungsmitteln zusammen hängt, einrichten. Man entschloss sich letztlich zu einer Kunstmühle. Wieder entstanden neue Pläne im Kreuzbräu und im Sudhaus musste viel gebaut und verändert werden um eine 10 Tonnen Weizen und Roggenmühle einzurichten.

In den leeren Sudraum wurde eine Decke eingezogen, um im Parterre den Antrieb und die Transmission einzurichten. Im ersten Stock wurden 4 Walzenstühle aufgestellt, der zweite Stock wurde der Rohrboden und im obersten Boden 2 Plansichter montiert.

Im August 1924 sollte sie fertig sein um gleich mit der neuen Ernte das Mahlen anzufangen. Die Einrichtung der neuen Kunstmühle wurde von der Firma Seck aus Dresden geliefert. Die Kosten für die Maschineneinrichtung betrugen 63.400 Mark. Um den nun anfallenden Bedarf an elektrischer Energie zu befriedigen, wurde im gleichen Jahr an die Rückseite des Pferdestalles ein Transformatorenhäuschen angebaut.


 

1924 Neuer LKW

Der Anfang des neuen Geschäftes war schwer, aber Karl und Heinrich wetteiferten im Kundendienst, um sich bei den Bäckern von Bayreuth und Umgebung bekannt zu machen.

Ebenso wurde 1924 ein weiteres Lastauto (3½ to Sauer 45 PS für 19.250 Mark) angeschafft, welches natürlich auch fotografiert werden musste. Das Biergeschäft lief weiter gut und das Kulmbacher Bier war sehr beliebt.

 

 

1924    Bau oberes Kontor

Das Kontor wurde 1924 mit einem Anbau über dem Kohlenlager zwischen Mälzerei und Mühle vergrößert, der rückwärtige Raum wurde Notwohnung für den neuen Obermüller. Die Bauarbeiten führte die Fa. Nützel für 1.516 Mark aus.

Oberes Kontor

 

  

1925    Bau Autogarage (jetzt VW-Garage)

Es wurde ein Reisender eingestellt, für ihn ein Auto (Opel 1300 für 8.500 M) angeschafft und eine Garage an den bereits bestehenden Stall-Vorbau angebaut. (Fa. Nützel)


 

1925    Bau Mehlboden

Über dem ehemaligen Maschinenhaus wurde ein 1. Stock gebaut und ein Mehlboden eingerichtet. (Fa. Nützel)


 

1925    Bau Obermüller-Wohnung über Büro

Der Zwischenbau wurde aufgestockt und eine schöne kleine Wohnung gebaut. (Fa. Nützel)

Am 17 Februar 1926 wurde Heinz Dressel geboren und Großvater Fritz Schmidt war hocherfreut einen Enkelsohn zu haben, auch wenn dieser nicht seinen Namen weiterführte.


 

1926    Bau Getreidesilo

Getreidesilo

Ein großes Getreidesilo von der Firma Schulz und Kling (SUKA) aus München in die Mühle eingebaut. Dieses hatte einen Nutzinhalt von 370 Tonnen und war nach dem neuesten technischen Stand sogar mit einer Belüftung ausgestattet. Dieser Umbau machte ein Aufstockung des ehemaligen Kesselhauses auf insgesamt 3 Stockwerke notwendig. Das äußere Bild des Kreuzbräus wurde damit total verändert und der heute charakteristische Turm (Elevatoreinbau Greffenius, Frankfurt) entstand. Die Gesamtkosten für den Siloeinbau beliefen sich auf 31.970 Mark. Im gleichen Jahr wurde von der Fa. Seck-Dresden die Silo-Speicher-Einrichtung (Elevator) mit einer stündlichen Leistung von 10 to. Schwergetreide eingebaut. Die Kosten hierfür betrugen 5.577 Mark. Die Firma SUKA benutzte sogar eine Zeitlang die Silhouette des Kreuzbräus als Motiv für ihre Werbeprospekte.


 

Von der Firma MAN wurde ein 2½to. Lastwagen mit 55 PS für 12.800 M gekauft.


 

1927    Erhöhung Mälzerei um 4. Stock

Die Mälzerei um den 4. Stock erweitert und darin eine neue Gerstenputzerei (Gebr. Seck, Dresden, 4.605 Mark) eingerichtet. (Fa. Nützel)


 

1929    Kauf und Bau Kreuz 16

Kreuz 16

Kreuz 16 Scheune

Vom Brauereibesitzer Georg Schilling, Kulmbacher Strasse wurde der Stadel, Kreuz 16 für 5.000 Mark gekauft. Die alte Scheune wurde abgerissen und ein zweistöckiges Gebäude wurde errichtet. Auf der Straßenseite wurde eine große Autogarage eingerichtet und im ersten Stock die neue Flaschenabfüllerei. Die Baukosten der Fa. Nützel betrugen 9.700 Mark. Um diesen Rechnungsbetrag wurde allerdings ein erbitterter Streit zwischen den beiden Firmeninhabern Nützel sen. und Schmidt jun. geführt. Dies gipfelte schließlich in der handschriftlichen Anweisung Heinrich Schmidts auf der Schlussrechnung „Wir haben keine Arbeit mehr für die Firma Adam Nützel".

 


 

Fritz Schmidt mit Heinz und Christl

Der Firmenchef Fritz Schmidt musste für seine Zuckerkrankheit alle Jahre ein Kur machen. Als er aber im Mai 1929 aus Karlsbad wiederkam, hatte er Schmerzen in einer Zehe des rechten Fußes. Er musste ins Krankenhaus und nach mehrwöchigem Aufenthalt mit großen Schmerzen musste das rechte Bein amputiert werden. Am 29.07.1929 gleichen Tages verunglückte auch der Mehlreisende Moser mit dem Auto und war sofort tot. Nach 3 Wochen durfte Fritz Schmidt heim, aber er war ans Zimmer gefesselt und arbeitsunfähig, was für den rüstigen und ansonsten rührigen Mann eine ungemeine Qual bedeutete. Die Laufversuche mit Krücken waren für sein Alter von 67 Jahren sehr erschwerend und führten nur zu kleinen Erfolgen. Er humpelte von Zimmer zu Zimmer, aber außer Haus keinen Schritt. Er besuchte noch immer seine Stammtische und war ein gern gesehener guter Gesellschafter. Er musste aber vom und zum Auto getragen werden und daheim die lange Treppe wieder hoch. Es wurde ein Rollstuhl angeschafft und im Frühjahr 1930 bekam er sogar in Erlangen eine Prothese. Nun konnte er mit Christl und Heinz seinem Liebling seine täglichen Ausfahrten im Rollstuhl unternehmen. Er war trotz seines harten Schicksals immer zufrieden und ließ sich nie bedauern.


 

1929    Bau Wasserbehälter im 4. Stock Mälzerei

Wasserhochbehälter Mälzerei

In den neu errichteten 4. Stock der Mälzerei wurde ein 20.000 Liter fassender Wasserbehälter eingebaut, der vom eigenen Tiefbrunnen gespeist wurde. Das Befüllen der Weichen ließ sich nun viel schneller durchführen. (Fa. Nützel, 3.545 Mark)

 

 

 

1929    Einrichtung der Wasserabfüllerei

In der neu erbauten Abfüllerei im Kreuz 16 wurde eine Wasserabfüllerei eingebaut. Das Reichenhaller Mineralwasser wurde so hergestellt und in Flaschen abgefüllt. Für rund 15.000 Mark wurden Maschinen angeschafft (Imprägnier-, Abfüll- und Etikettierapparat). Ebenso wurden rund 85.000 Wasserflaschen samt 3.000 Holzflaschenkästen für rund 20.000 Mark geliefert.

Zur Auslieferung wurde von der Fa. August Hensel für 4.500 Mark ein 1½-Tonner Opel-Lieferwagen (Opel-Blitz) gekauft.

Ein Mercedes-Benz Personenwagen wurde 1930 für 3.000 Mark angeschafft.


 

1931    Neue Malzputzanlage

Bei der Fa. Wilhelm Künzel, Kulmbach wurde eine neue Malzentkeimungs- und Poliermaschine mit 40 Ztr. Stundenleistung für 1.250 Mark angeschafft.

Am 10.05.1931 wurde Heiners 4. Tochter Gerdi geboren, was trotz der Freude für ihn eine große Enttäuschung war, da kein Stammhalter mit dem Namen Schmidt da war.


 

1932    Tod des Firmengründers

Fritz Schmidt

Im Sommer 1932 erkrankte Fritz Schmidt und durch Erkältung zog er sich eine Gallen- und Lebererkrankung zu. Der Drang noch einmal mit dem Auto zu verreisen war aber so groß, dass er im Oktober 1932 mit Freunden zum Niederwald-Denkmal an den Rhein fuhr. Auf dem Rückweg hatten sie eine Autopanne und mussten einige Stunden im kalten Auto warten. Daheim angekommen musste er sofort ins Bett und seine Widerstandskraft wurde immer weniger. Leber- und Gallenentzündung zogen eine Wassersucht nach sich und am 23.11.1932 wurde er von einem sanften Tod erlöst. Der Gründer des Kreuzbräus war nicht mehr, aber sein Erbe war in guten Händen und wurde fortgesetzt.

  

1932    Einbau Darrventilator

In den Spitze des Dunstabzug der Darre wurde von der Fa. Topf ein Darrventilator eingebaut. Die heiße Luft wurde dadurch noch besser durch die ca. 25 qm große Darrhorde geleitet.


 

1932    Umbau Mühle

Die Mühle wurde von der Fa. Miag, Braunschweig zu einer reinen Roggenmühle umgebaut. Eingebaut zu den bereits vorhandenen Walzenstühlen wurde ein Vierwalzenstuhl, ein Lottaroh-Mahlgang (Mühlstein) und im 3. Stock ein Paar freischwingende Plansichter. Die Gesamtkosten beliefen sich auf 12.000 Mark.

 

Geschichtlicher Exkurs:

In den Jahren 1920/21 wurde in München von Adolf Hitler die „Nationalsozialistische Deutsche Arbeiter Partei" gegründet und am 09.11.1923 die berüchtigte Versammlung im Bürgerbräukeller in München abgehalten, die ihren blutigen Ausgang bei dem Marsch zur Feldherrenhalle fand. Der „Führer" wurde verhaftet und in der Festung Landsberg 13 Monate bis zum Dezember 1924 inhaftiert. Die schweren Krisenjahre ab 1929 brachten eine große Arbeitslosigkeit mit sich und die Not in Deutschland war sehr groß.

Am 01.04.1930 verstarb in Bayreuth Cosima Wagner im hohen Alter von 93 Jahren und im gleichen Jahr wurde am 04.08. auch ihr Sohn Siegfried Wagner überraschend im Alter von 61 Jahren von seiner Arbeit abberufen.


 

Am 30.01.1933 kam die nationale Erhebung und die Regierung Hitler brachte einen gewaltigen Umschwung. Eine große Bautätigkeit setzte ein, die Arbeitslosigkeit wurde geringer und die Menschen wurden zuversichtlicher. Die großen Pläne der Autobahnen (die allerdings schon älter waren; die neue Regierung schmückte sich danach gerne mit diesen fremden Federn) wurden verwirklicht und um Bayreuth zog sich die Hauptlinie München-Berlin. Bayreuth wurde dank seines neuen Gauleiter Hans Schemm zur Gauhauptstadt der Bayerischen Ostmark ernannt worden. Dies brachte viele Ämter nach Bayreuth und es wuchs in seiner Einwohnerzahl, was auch für das Lebensmittelgeschäft einen großen Vorteil bedeutete. In den folgenden Jahren entstanden viele Stadtviertel in Bayreuth: Hans-Schemm-Gartenstadt (jetzt nur noch Gartenstadt), Siedlung Birken, Herzoghöhe, Roter Hügel und Grüner Baum. Am 2. August 1934 verstarb der alte Hindenburg und er wurde im Pannenberg-Denkmal in Ostpreußen beigesetzt. Am 05.03.1935 verunglückte der beliebte Gauleiter Hans Schemm am hiesigen Flugplatz in Bindlach und er wurde in einem großen Staatsbegräbnis in Bayreuth beigesetzt. Im Laufe des Jahres 1935 wurde auch die allgemeine Wehrpflicht wieder eingeführt.


 

Die Lohnkosten dieser Jahre sind auch eine Betrachtung wert. So betrug das monatliche Gehalt 1929:

Malzmeister Georg Rieger 300 Mark

Obermüller Albin Bamberg 250 Mark

Chauffeur Max Weith 245 Mark

Buchhalter Georg Höfer 220 Mark

Kontorist Rudolf Prossock 170 Mark

Gehilfe Heinrich Lauterbach 60 Mark

Haushälterin Johanna Hopf 45 Mark (hier zzgl. Kost u. Loggie)

Hausangestellte Anna Schaller 40 Mark

Zu beachten sind aber die niedrigen Abzüge. Sie betrugen z.B. Bei dem Obermüller 8,40 M Lohnsteuer, 12,10 M Krankenkasse und 6 M Rentenkasse so dass von 250 Mark brutto immerhin 223,50 Mark bar ausgezahlt wurden. Die Anzahl der Arbeiter schwankte in diesen Jahren bei ca. 22 Mitarbeitern.


 

1934 wurde in der Stadtkirche die Konfirmation von Gusti und Friedel Dressel gefeiert und 1935 die von Anneliese Schmidt. Die Nationalsozialisten führten einen Kampf gegen die Kirche und die Deutschen Christen waren die einzige konforme Religionsgemeinschaft. Heinrich Schmidt als überzeugter Parteianhänger trat über und so wurde 1937 Marie und Else bei den Deutschen Christen konfirmiert.


 

1934    Dachaufbau Mühle

Mühle 4.Stock

Das Mühlengebäude wurde teilweise aufgestockt (4. Stock, von Plansichter aus erreichbar) um Platz für neue Maschinen zu schaffen. Die Bauausführung übernahm die Fa. Nützel für 3.500 Mark.

Geplante Aufstockung Mühle

 

 

1934    Ersteigerung Gastwirtschaft in Haag

Katasterbestand von 1929: „Wohnhaus mit Wirtschaft und Stall, Stadel mit Stall, Schupfen und Hofraum, Garten zu 3.850 qm".

Die Gastwirtschaft zur Rotmainquelle wurde für 7.100 Goldmark von Johann Bär im Wege der Zwangsversteigerung gekauft. Die ursprüngliche Maisel Wirtschaft (erbitterter Schriftwechsel mit Hr. Maisel sen.) war bereits seit 1923 Kunde, allerdings liefen durch Misswirtschaft so viele Bierlieferungsschulden auf, dass eine Versteigerung nicht verhindert werden konnte.

Die Firma nannte nun 17 Wirtschaften ihr eigen. Diese waren: Leopoldstraße 21, Carl-Schüler-Str. 25, Hügelstraße 35, Kreuz 9, Brandenburgerstraße 35, Maxstraße 77, Alexanderstraße 7, Kulmbacherstr. 16½, Badstraße 46, Moritzhöfen 29, Bismarkstr. 20, Erlangerstraße 45, Hollfeld Nr. 64, Heinersreuth Nr. 12½, Creußen Obere Post, Pottaschhütte und Haag 45.


 

1935    Umbau der Getreide-Reinigung

Von der Fa. MIAG, Braunschweig wurde die Getreidereinigung der Mühle für 3.000 DM umgebaut. Eingebaut wurde eine zweite Schälmaschine, eine Bürstmaschine, eine Abfall-Sortiermaschine und eine zweite automatische Waage. Bemerkenswert ist, dass in dem 1934 beginnenden Schriftwechsel die bislang vorherrschende Grußformel „Hochachtungsvoll" durch „Mit deutschem Gruß" oder „Heil Hitler!" ersetzt wird.

1935    Kauf Erlanger Str. 45

Katasterbestand von 1935: „Wohnhaus mit Wirtschaft, Gartenhalle, Kegelbahn, Stall mit Wohnung, Hofraum und Garten, Stadel zu 830 qm". Inbegriffen waren außerdem zwei land- und forstwirtschaftliche Grundstücke am Bindlacher Berg nämlich und Auf der Ritterleite zu insgesamt 9000 qm.

Die Gaststätte Germania (erbaut 1895 vom Baugeschäft Wölfel für Hr. Christian Hartmann) wurde gekauft und im 1. Stock 3 Fremdenzimmer eingerichtet. Der Kaufpreis von der Erbengemeinschaft Hartmann betrug 55.000 Reichsmark. Eine Miet- und Pachtaufstellung aus den Vierziger Jahren weist außer der Pacht in Höhe von 100 DM p.m. 6 Mietparteien mit insgesamt 205,25 DM Mietzahlungen auf.


 

1937    Kauf Kreuz 22

Katasterbestand von 1900: „Wohnhaus, Werkstätte mit Lagerraum, Waschhaus und Keller im Souterrain, Hofraum und Felsenkeller zu 240 qm"

Wegen Erbauseinandersetzung wurde uns 1937 das nachbarliche Haus Kreuz 22 von der Schreinerfamilie Höreth angeboten. Zu dem Haus gehörte der große obere Garten (Acker an der Hügelstrasse zu 2.050 qm) und der unter dem Haus befindliche große Felsenkeller. Dieser gehörte zuvor der Brauerei Maisel und wurde erst vor kurzem von Christian Höreth dazugekauft. Der Kaufpreis betrug 22.000 Reichsmark. Schon wegen der 2. Einfahrt über die Fuhr wurde das Grundstück dringend gebraucht, denn es wurde ja sehr viel Getreide mit der Bahn via Bahnhof Herzoghöhe angeliefert. Auch der große Obstgarten war sehr willkommen und wurde im Herbst neu von der Firma Feustel angelegt. Im Winter 39/40 erfroren die meisten alten Obstbäume und auf die Ernte der Jungbäume musste man noch etwas warten. Die Gartenarbeit machte viel Freude und die Ernte konnte man in den folgenden Kriegsjahren gut gebrauchen. Das alte Haus Kreuz 22 wurde leer geräumt und Pläne geschmiedet. Die alte Schreinerwerkstatt wurde zum Aufenthaltsraum für die Arbeiter umgebaut mit Ankleide- und Duschräumen darunter. Die Wohnung wurde für den Buchhalter Prossock hergerichtet, die Treppe verlegt und vieles verbessert.


 

Die Judenverfolgung und der Judenhass wurde immer größer und offensichtlicher und im November 1938 wurden in der Kristallnacht die Juden aus den Betten und Wohnungen geholt und in die Rotmainhalle getrieben um alle in Lager abtransportiert zu werden. Die Synagogen in allen Städten Deutschlands wurden geplündert und angezündet. Die Bayreuther Synagoge wurde nur durch ihre direkt Nachbarschaft zum Opernhaus und durch den Einsatz einigen couragierten Männern gerettet.


 

Im Januar 1938 kam Gusti zum Arbeitsdienst nach Zwiesel im bayerischen Wals und sie lernte dort große Not und Armut kennen. Im April 1937 verstarb Marie Senft, im Januar 38 Lisette Weyh und im September 38 Wilhelm Senft. Heinrich rückte im September 38 wieder zu den ersten militärischen Übungen ein und im Juli 38 kam Anneliese zum Arbeitsdienst und Gusti wurde entlassen.

 

 

1938    Bau Weizensilo

Weizensilo

Auf dem ehemaligen Eishaus II und jetzigem Malzabsackraum wurde ein großes Getreidesilo errichtet, dass in der Höhe an die Mälzerei anschloss. In das Silo wurde eine Bodenbelüftungsanlage der Fa. Rank, München eingebaut.

 

 


 


 


 


 


 

1938    Erhöhung Mühlenturm

Turmaufbau Mühle

Der Mühlenturm wurde um einige Meter auf nun 22,5 m erhöht, um Platz für einen Reinigungsaspirateur zu schaffen. Eine Aussichtsplattform mit Balustrade wurde geschaffen, von der man immer noch einen einmaligen Ausblick über den ganzen Bayreuther Talkessel hat. (Fa. A. Nützel, Bayreuth)

 

 

 

 

 

1939    Erneuerung Darrbrenner

Für die Malzdarre wurde ein neuer Brenner (Ölfeuerung) der Fa. J.A. Topf, Erfurt angeschafft (2.332 Mark). Diese Firma lieferte kurz darauf auch die Krematoriumsöfen aller Konzentrationslager.

Der Hof wurde bis zum oberen Eiskeller neugepflastert.


 


 


 

Kriegsbeginn

Im August wurden im Rahmen der Mobilmachung 8 Mitarbeiter sofort eingezogen wobei auch der Opel Blitz, 1 MAN-Lastwagen und eine Zugmaschine nebst Anhänger an das Heer abgegeben werden musste.


 

Im März 1938 wurde Österreich dem Großdeutschen Reich angegliedert und im Oktober 38 das Sudetenland. Im August 1939 kamen schon wieder schwere Gewitterwolken über Deutschland. Der 2. Weltkrieg begann am 1. September. Es begann mit dem Angriff auf Polen, das vom deutschen Heer in 18 Tagen erobert wurde. Anfang September kam die Kriegserklärung Frankreichs und Englands. Heinrich Schmidt musste Ende August zur Luftwaffe einrücken und Karl Dressel wurde telegraphisch vom Urlaub in Bad Aibling zurück berufen, denn er musste ja allein das Geschäft weiterführen.


 

Heinrich Schmidt machte während seines Kriegseinsatzes eine Odyssee durch Europa die an folgenden Stationen abzulesen ist:

August 1939 bis März 1940 Fürth, Schweinfurth, Kitzingen, Regensburg

Bis September 1940 Luftwaffenstab 100

Bis März 1941 Luftwaffenkommando Norwegen, Verbindungsoffizier

Bis April 1941 Brüssel

Bis Juni 1941 Berlin

Bis Dezember 1941 Polen und Russland

Bis März 1942 Rom, Frascati

Bis April 1942 Sizilien, Taormina

Bis Mai 1942 Arbeitsurlaub

Bis September 1942 Sizilien, Taormina

Bis Oktober 1942 Arbeitsurlaub

Bis März 1943 Frascati

Bis Juni 1943 Arbeitsurlaub

Bis September 1943 Frascati

Bis Oktober 1943 Gardasee

Bis Februar 1944 Arbeitsurlaub


 

Die meisten Facharbeiter wurden 1939 eingezogen und Ersatzkräfte waren schlecht zu kriegen. Die Firma bekam wieder viel Heeresaufträge, die alle prompt erledigt werden mussten. Im September 39 wurden auch Gusti und Friedel nach vorheriger kurzer Ausbildung zum Warndienst eingezogen. Im gleichen Monat wurde das Saarland und Rheinland-Pfalz von der Zivilbevölkerung geräumt. Die Familie Schmidt bekam 3 Personen aus Saarbrücken zur Einquartierung und die Familie Dressel 2 Frauen aus Zweibrücken, die bis zum Frühjahr 1940 blieben. Ein Berliner Ferienkind kam im Sommer 40 und blieb 1 ½ Jahre bei uns.


 

Die Mühle war in Kriegsjahren durch die Heeresaufträge sehr gut ausgelastet, die Bierumsätze gingen aber durch die Schließungen der Wirtschaften stark zurück.

1940 wurde Heinz konfirmiert und 1941 kam Gusti zum Warndienst nach Nantes in Frankreich. 1940 wurde mit schweren Kämpfen Holland, Belgien und Frankreich erobert und besetzt. 1941 kapitulierte die jugoslawische Armee und im Juni 1941 begann der Kampf mit dem russischen Reich. Der trügerische Feldzug kam bis kurz vor Moskau aber der harte russische Winter brachte ungemein viel Einbußen und das Heer musste den Rückzug antreten. Die eroberten Länder mussten alle besetzt werden, und so wurden unheimlich viel Kräfte gebunden.


 

Im November 1941 hatten die Großeltern Dressel in Hof diamantene Hochzeit (60 Jahre) und kamen anschließend über den Winter nach Bayreuth. Im März 1942 gingen sie wieder nach Hof aber nur bis zum Juni, den sie fanden sich mit den Lebensmittelkarten nicht mehr zurecht. Die Wohnung im 1. Stock von Kreuz 22 wurde hergerichtet und im August 42 konnten sie übersiedeln. Karl Dressel bekam im Februar 42 wegen Überanstrengung einen Herzanfall und musste sofort zu einer 4-wöchigen Kur nach Bad Tölz. Heiner musste sich beurlauben lassen, um das Geschäft zu leiten.


 

Der Krieg mit Norwegen war im Gange und Heiner musste zur Besatzung nach Norwegen, Frankreich und Italien. Die Luftangriffe auf deutsche Städte setzten immer mehr ein und verwüsteten sie ungemein. In Bayreuth verirrte sich 1940 einmal ein Flieger, der eine Bombe abwarf, die aber nur kleinen Schaden anrichtete. Sonst war in Bayreuth öfter Fliegeralarm, denn die Verbände flogen nach der Tschechoslowakei über Bayreuth und des öfteren war eine Nacht im Luftschutzkeller zu verbringen. Im Jahre 1942/43 musste sich nach unglaublichen Kämpfen Stalingrad mit der VI. Armee am 02.02.1943 ergeben. Das war die Entscheidung für den Krieg und der Rückzug in Russland setzte überall ein. Hunderttausende Soldaten kamen in Gefangenschaft und noch mehr blieben im Hexenkessel von Stalingrad. Die Regierung Hitler holte noch das letzte aus den Kämpfern heraus und forderte immer wieder durchhalten. Die Soldaten kämpften in Afrika, Griechenland, Russland, Italien, Rumänien und Jugoslawien und der Rückzug an allen Fronten setzte ein. Die schweren Bombenangriffe verwüsteten die schönen Städte: Januar 44 Großangriff auf Nürnberg, 1943 auf München und im Februar 45 wurde Dresden dem Erdboden gleichgemacht. Im Juli 1943 war ein Großangriff auf Hamburg, wobei die ganze schöne Stadt zu 90 % verwüstet wurde und vollständig evakuiert werden musste. Phosphorbomben radierten ganze Stadtviertel aus, und es gab viele Tote. Ins Kreuz kamen als Einquartierung ein älteres Ehepaar, die bis September 45 blieben.

1944 kam die Invasion der Engländer und Amerikaner. Sie besetzten Frankreich und es ging in Riesenschritten den Grenzen Deutschlands zu. Im August 44 kam Gusti von Nancy nach Hause. Im Januar 45 kamen die Russen den Grenzen näher und die Zivilbevölkerung in Schlesien, Sudetenland, Ostpreußen und Wartheland wurde evakuiert. Viele Flüchtlinge zogen durch Bayreuth, die Menschen mussten ihre Heimat verlassen und nur was sie tragen konnten blieb ihnen. In wochenlangen Fußmärschen kamen sie nur langsam vorwärts. Es war eine große Völkerwanderung, und das Elend war unbeschreiblich.

 

Heinz Dressel

1942 verließ Heinz Dressel nach der 6. Klasse die Oberrealschule und die Berufswahl machte ihm viel Kopfzerbrechen. Als einziger männlicher Nachkomme der beiden Familien entschloss er sich als Müller von der Picke auf zu lernen und begann seine Lehrzeit in der Kernmühle bei Nürnberg. Im Herbst 1943 machte er seine Gesellenprüfung und kam anschließend zum Arbeitsdienst nach Kitzingen und nach 3 Monaten wurde er zum Militär eingezogen und kam gleich nach Grasse in Südfrankreich zur Infanterieausbildung. 1944 kam er nach Görlitz und 45 an die Front bei Dresden und wurde nach kurzen Kämpfen in Mitteldeutschland gefangen genommen und von den Amerikanern in verschiedene Gefangenenlager gebracht. Im Juni 1945 kam er zwar abgemagert, jedoch gesund heim.

Am 5., 8. Und 11. April 1945 wurde auch Bayreuth von den Bombern erreicht, weil Gauleiter Wächtler die Stadt nicht übergab und immer wieder aufforderte durchzuhalten, während er sich mit seinem Stab an die Grenze im Bayerischen Wald absetzte. Bayreuth wurde zu 38 % vernichtet und die übrigen Wohnungen wurden überbesetzt. Am 5. April war das Bahnhofs- und Hofgartenviertel mit der Villa Wahnfried, die Herzoghöhe und die Altstadt betroffen. Am 8. April das Kasernenviertel und die Stadthalle. Am 11. April wieder das Bahnhofsviertel, Goethestraße, Nibelungenstrasse, Luitpoldplatz, die Alte, Neue und Bayerlein´sche Spinnerei. Ins Schloss Eremitage verzogen sich die SS-Einheiten, aber Tiefflieger beobachteten dies und Brandbomben zerstörten die Sommerresidenz der Markgräfin Wilhelmine.


 

Die Gaststätte Laus am Bahnhof Herzoghöhe ging in Flammen auf, ebenso das Wirtshaus in der Hirschenstraße (jetzt Carl-Schüller-Str.), dass durch Volltreffer vernichtet wurde. Beim 3. Angriff am 11.04.1945 fiel eine Bombe, die bestimmt dem Kreuzbräu gemünzt war, gegenüber in das Wohnhaus (Bayerlein) und riss dies teilweise ab. Der Kratzerstadel gegenüber fiel zusammen und durch den Sog wurden in der Wohnung Fenster und Türen rausgerissen und stark beschädigt fanden die Dressels ihre Wohnung wieder. Großvater Dressel ging an diesem Tag nicht mit in den Luftschutzkeller und war bei dem Angriff im Wohnzimmer im Sessel gesessen. Er hatte keinen Schaden erlitten, während Splitter den Boden bedeckten. In der Mühle und Mälzerei wurden die Eisenrahmen der großen Fenster zertrümmert aber alle im Kreuzbräu kamen gottlob mit kleineren Schäden davon.


 

Am 14. April kamen die Amerikaner und besetzten die Stadt. Zuvor sprengten die deutschen Truppen aber noch die Brücken in der Kulmbacher-, Hindenburg- und Bambergerstraße um den Vormarsch aufzuhalten. Im alten Schloss waren wichtige Akten und Anhänger der Partei zündeten das ganze Gebäude an. Die rechte Marktseite brannte bis zum früheren Hotel Reichsadler aus und erst die Amerikaner konnten durch Sprengung der nächsten beiden Häuser dem Feuer Einhalt gebieten. Die Stadtfeuerwehr war machtlos, denn sie hatte kein Wasser und auch keine Geräte mehr.

Die Stadt sah schlimm aus und die meiste Bevölkerung war aufs Land geflüchtet. Durch unsere guten Felsenkeller konnten wir im Kreuz bleiben. Die amerikanische Besatzer öffneten die Gefangenenlager und Zuchthäuser und gaben 3 Tage Plünderungsfreiheit. Was die Menschen aus ihren brennenden Häusern gerettet hatten wurde ihnen nun geplündert. Nachdem im Kreuz alle daheim geblieben waren, waren sie nicht betroffen. In den Tennen der Mälzerei war von vielen Bekannten Werte eingestellt und es konnten alles wieder gut übergeben werden.


 

Gott sei Dank, dass die Mühle erhalten blieb, und mit dem noch vorhandenen und vom Heereslager eingelagerten Getreide konnte man, soweit Strom da war, die Bevölkerung Bayreuths mit Mehl versorgen. Viel Arbeit brachte das Bezugsscheinsystem und mancher wollte bevorzugt bedient werden, der in späteren Jahren keinen Sack mehr abkaufte. Die amerikanische Besatzung brachte Ausgehsperrstunden und man konnte am Tage erst 2 Stunden, dann 3 und 4 Stunden ausgehen und einkaufen. Gas war gesperrt, Wasser gab er nur beschränkt. Durch die vielen Wasserrohrbrüche mussten sich die Menschen ihr Wasser an öffentlichen Brunnen holen und dort oft stundenlang anstehen. Wir hatten unseren Brauereibrunnen und wenn Strom da war, konnten wir auch Wasser abgeben.


 

Der Bahnhof und die Gleise waren vollständig zerschlagen und wir waren ohne Zugverbindung und infolgedessen auch ohne Post. Das Telefonamt in der Kanalstraße war vollständig kaputt, also auch kein Telefon und somit von der Welt abgeschnitten. Zeitungen gab nicht mehr und das Radio, soweit es noch ganz war und man Strom hatte, war die einzige Verbindung mit der Außenwelt.


 

Heinrich Schmidt war am 12./13. April noch im Kreuz und musste zu seiner Einheit auf den Flugplatz Kirchenlaibach um dort das bittere Ende abzuwarten. Er setzte sich nach Oberbayern ab und am Chiemsee entging er nicht der amerikanischen Gefangenschaft. In Iggelsheim in der Pfalz (Rheinwiesenlager) war sein Gefangenenlager, dort erkrankte er durch die Regenperiode unter freiem Himmel am Blase und Niere und bis er ins Lazarett nach Wiesloch bei Heidelberg kam, war schon jede Hilfe zu spät, und er verstarb am 22.06.45 ohne Nachricht von daheim, und die Familie wurde erst im Januar 46 durch Oberbürgermeister Meyer verständigt. Wieder ein schwerer Verlust für alle.


 

Heinz Dressel kam am 26.06.45 aus Gefangenschaft. Else Schmidt als Ringführerin wurde am 06.07.45 in das Lager Hammelburg und später Ludwigsburg gebracht und dort verblieb sie bis Oktober 46. Bis September 45 wurde der Bahnhof einigermaßen aufgeräumt, so dass wieder der erste Zug verkehren konnte, somit kam wieder Post und die Zeitung erschien 2 zweimal die Woche.


 

Bayern wurde von amerikanischen Truppen besetzt. Schwaben, Württemberg, Baden, Hessen, Rheinpfalz und das Saarland von französischen Truppen besetzt. Rheinland, Westfalen, Niedersachsen bis zur Wasserkante von britischen Truppen. Amerikanische Truppen übergaben das eroberte Thüringen, Sachsen bis Dresden an die russischen Besatzungsmacht. Die Hauptstadt Berlin wurde von allen 4 Siegermächten besetzt. Mitteldeutschland und das Ostgebiet besetzten die russischen Truppen und so wurde es ein geteiltes Deutschland. Sudetenland wurde von den Tschechen besetzt, Österreich wurde auch besetzt und geteilt, sowie Südtirol an die Italiener abgegeben. Die Deutschen wurden überall ausgewiesen und kamen alle in das besetzte Westdeutschland. Selbst aus Jugoslawien, Rumänien und den ganzen Ostgebieten wurden die Deutschen „heimgeschickt". Eine Übervölkerung und Wohnungsnot in den zerbombten Städten war die Folge, aber auch alle Landkreise wurden besetzt. Die ganze Wirtschaft lag danieder und zuerst mussten die Lebensmittelbetriebe wieder laufen, dass der tägliche Bedarf gedeckt wurde. Brot, Mehl, Fleisch, Fett und Zucker war rationiert und zu allem bekam man Marken. Selbst Textilien und Schuhe gab es nur auf Bezugsschein. Eine ungeheure Arbeit für die Stadtverwaltung und alle Geschäftsleute, die alle Marken aufkleben mussten. Es kam der Tiefpunkt der Lebensmittelzuweisung und man wusste als Hausfrau oft nicht wie man es einteilen sollte um alle satt zu bringen. Täglich waren im Kreuz 8 Mann zu Tisch. Die niedrigste Zuteilung war im April 1945:

Erwachsene bekamen in der Woche 250g Fleisch und Wurst, 50g Fett, 1500g Brot. Im Monat 150g Nährmittel, 375g Zucker oder 750g Marmelade (Kriegsqualität), 62½g Käse, 125g Quark und 100g Kaffee-Ersatz.

Kinder bis zu 6 Jahren bekam noch zusätzlich Nährmittel, Kunsthonig und Fett.

Jugendliche von 6-18 Jahren bekamen mehr Brot und Fett, Zucker und Marmelade und auch mehr Nährmittel.

Schwer- und Schwerstarbeiter bekamen noch Zusatzkarten.


 

Die Soldaten wurden von den Besatzungsmächten aus den Gefangenenlagern, die zum Teil Hungerlager waren, entlassen und das einst so stolze Heer war somit aufgelöst. In den Kasernen, soweit sie noch intakt waren, wurden die Flüchtlingsfamilien eingewiesen. Das Heeresgut wurde verschleudert, und die Getreidevorräte den Mühlen und Nahrungsmittelfabriken zugewiesen.

Mit dem Schutt Aufräumungsarbeiten gab es wieder Arbeit, die Straßen wurden zum Teil aufgerissen und Rohrbrüche allenthalben. Die drei Textilfabriken waren zu 80 Prozent in Schutt und Asche, und der Bedarf an Textilien war groß; man konnte sich noch jahrelang nichts nachkaufen.


 

Die drei Hotels am Bahnhof waren dem Erdboden gleich und in der Goethestraße stand kein Haus mehr. Fast genauso schlimm war es am Wilhelmsplatz, Nibelungenstraße, Bürgerreutherstraße, Bahnhofsplatz und Bahnhofsstraße, Lisztstraße und Luitpoldplatz. Am Marktplatz war die rechte Seite ausgebrannt und die Villa Wahnfried war rückwärts abgerissen. Stadthalle und Poststall, all die alten Häuser aus der Markgrafenzeit waren total kaputt. Im Kasernenviertel, Wörtherstraße, Hylanderstraße und auch die große Kaserne war alles in Schutt und Asche. Unser schönes gemütliches Bayreuth sah grauenhaft aus.

Große und schmerzhafte Verluste erlitt die Bevölkerung und unter den Trümmern lagen noch viele Tote und teils ganze Familien waren ausgestorben. Wenn die Soldaten und Familienväter zurückkamen, fanden sie ihre Angehörigen und Häuser nicht mehr. - Das Leben ging aber trotzdem weiter und musste sich in das harte Schicksal fügen. Die Aufräumungsarbeiten gingen voran und es wurden notdürftig die Läden soweit restauriert, dass die Menschen das Wenige, was sie hatten wieder verkaufen konnten. Die Mühle musste Tag und Nach laufen, denn es mussten die Bäcker mit Mehl versorgen, von auswärts kam ja nichts in die Stadt rein.


 

Mit Eifer wurde im Garten gearbeitet und gesät, dass doch auch wieder etwas wachsen konnte, denn die Erträge wurden dringend gebraucht für den täglichen Küchenzettel. Ein großes Glück war, dass der Garten unbeschädigt blieb und der Herrgott ließ auch wieder etwas wachsen, so dass man auch in diesem düsteren Jahr etwas ernten durften.

Mitte Mai kamen deutsche Soldaten aus den Gefangenenlagern zurück und in der Zentralhalle und Wendelhöfen wurden sie registriert und entlassen, denn ohne Entlassungsschein bekamen sie keine Lebensmittelkarten. Viele Soldaten hielten sich auch in Südbayern bei Bauern versteckt und schlichen sich in Zivil in ihre Heimat. Gegen Ende September 1945 gingen auch Herr und Frau Vietense aus Hamburg wieder heim. Nachdem das Zimmer sauber und gemalt war, kamen im November Herr und Frau Dr. Pusch aus dem Sudetenland und sie wurden unsere lieben und netten Untermieter bis zum November 1949.

Im August 1945 kam auch Fritz Becher wieder gesund heim und das Interesse an Gusti wurde immer lebhafter bis es Weihnachten zur Verlobung kam. Als Miteigentümer einer Möbelfabrik in Neusorg musste auch der Wohnsitz dorthin verlegt werden. Nachdem die Wohnung fertig war, wurde im Februar 1947 geheiratet. Die Beschaffung eines Haushaltes war mit großen Schwierigkeiten verbunden, denn es gab wenig und dies wenige musste mit Lebensmitteln eingetauscht werden. Zum Glück war von der Mutter die Aussteuerwäsche für die beiden Mädchen schon vor dem Krieg besorgt worden (sie war auf dem Land bei verschiedenen Bekannten untergestellt), denn in dieser Zeit war nicht zu bekommen. Für Gusti sollte noch ein warmer Stoff für ein Nachthemd besorgt werden, und so hat sich die Mutter 3 ½ Stunden beim Bezugsscheinamt angestellt aber nichts bekommen.

Gusti hatte auch noch als gute Bekannte die Familie Fred Wirsing (Zuckerfabrik), die mit Fabrik und Wohnhaus total ausgebombt waren. Das wenige, das sie vom Schutt ausbuddelten brachte Gusti mit Handwägelchen zu uns ins Kreuz um es hier zu reinigen und die noch brauchbaren Lebensmittel zu verwenden. Fred Wirsing war 36 Stunden im Hauskeller verschüttet und durch Klopfzeichen wurde er ausgegraben.


 

Im Oktober 1946 wurde Else Schmidt vom Internierungslager Ludwigsburg entlassen. Obwohl sie ihre kaufmännische Lehrzeit und Prüfung bestanden hatte, durfte sie nicht ins väterliche Geschäft eintreten, sondern laut Militärregierung geringere Tätigkeiten ausführen, und so wurde sie als Flaschenspülerin eingestellt.


 

Im Oktober 1947 heiratete Anneliese Schmidt den Dr. Med. Feilner, der im Kreuz im väterlichen Haus eine Praxis hatte. Im September 1948 wurde Ursula Feilner geboren. Else wurde im Mai 1948 mit Theodor Elissen standesamtlich getraut, im Oktober 48 kam Birgitt Elissen zur Welt und 1949 wurde die Ehe wieder geschieden. Am 20.07.1962 verheiratete sich Else wieder und zwar mit dem Müllermeister Fritz Kuhr aus Rednitzhembach bei Schwabach.


 

Im Januar 1947 verstarb Großvater Andreas Dressel an einem Treppensturz nach kurzem Krankenlager im 94. Lebensjahr. Im März des gleichen Jahres verstarb Großmutter Auguste Dressel nach kurzer Krankheit und am 08. Juni 1950 verstarb Onkel Weyh im Altersheim mit 88 Jahren.


 

1950    Umbau Mühle

Nach dem Kriege stellte sich der Mehlmarkt wieder auf hellere Mehltypen um, die seit 12 Jahren nicht mehr hergestellt werden durften. Bei den hellen Mehlen machte sich die Unzulänglichkeit der Mühle, die 1932 zur reinen Roggenmühle umgebaut wurde, stark bemerkbar. Man mussten entweder die Herstellung der viel lukrativeren Weizenmehlsorten unterlassen oder einen Großumbau zur kombinierten Roggen- und Weizenmühle wagen.

Neue Walzenstühle

Nachdem in den ersten Jahren nach dem Krieg der Wiederaufbau der 1945 total zerstörten „Lauß" durch Nichterteilung der Baugenehmigung verhindert worden ist, wurde endlich 1949 die Genehmigung erteilt. Bei gleichem Grundriss mit etwas modernerer Ausführung währen ca. 70 TDM bei den damals gültigen Preisen nötig gewesen. Da die Rentabilitätsrechnung aber ungefähr Null auf Null aufging, und das stark zusammengeschmolzene Firmenkapital nur ein Projekt zuließ, wurde nach reiflichen Überlegungen dem Mühlenumbau der Vorzug gegeben.


 

Der Auftrag wurde der MIAG, Braunschweig übertragen, wobei hier auch eine erstmals in

Bayern eine pneumatische Förderanlage eingebaut wurde. Nach neunwöchiger Bauzeit lief die Mühle am 15.09.1950 zur vollen Zufriedenheit wieder an, wobei insbesondere die anfangs sehr skeptisch betrachtete Pneumatik aufs Beste funktionierte.

Das Ruinengrundstück Thurnauer Hof (Lauß) wurde 1952 an die Gemeinnützige Wohnungsbaugenossenschaft verkauft. Diese errichtet wieder eine moderne Wirtschaft und wir wurden mit einem 30-jährigem Bierlieferungsvertrag bedacht.


 

1956    Einbau Mehlsilo und Erhöhung Mehlboden um 2. und 3. Stock

In das ehemalige Kesselhaus wurde ein Mehlsilo eingebaut und das bisherige einstöckige  Gebäude um zwei Stockwerke als Mehlböden erhöht.


 

Luftbild


 

1961    Kauf Gastwirtschaft in Glashütten

Katasterbestand von 1961: „Wohnhaus Nr. 2 in Glashütten, Gasthaus mit Metzgerei, Stall, Stadel, Schlachthaus und Hofraum, Garten zu 1.360 qm und Eiskeller und Waschhaus zu 1.749 qm"

Die seit langem belieferte Gastwirtschaft Zum Hirschen wurde für 57.000 DM von der Familie Fichtel gekauft. 1980 wurde das Gebäude, dass im Kern noch aus dem 17 Jahrhundert stammt, sogar vom Bayerischen Amt für Denkmalpflege in die Liste der Baudenkmäler aufgenommen.


 

1964    Umbau Mühle

In die Mühle wurde ein neues Rührwerk und eine Mischmaschine der Fa. MIAG eingebaut.

 

1965    Umbau Mälzerei und Erneuerung Brenner

Neuer Darrbrenner

Der alte Mälzerkamin wurde abgebrochen (mit der schönen Darrhaube) und ein neuer Brenner und eine neue Darre eingebaut. Durch das komplette Gebäude wurden von oben alle Teile mittels Autokran an ihren Platz herabgelassen. (Fa. A. Nützel)


 

1967    Neubau Getreideannahme

Die bisher bestehende kleine Holzgosse wurde durch eine neue große befahrbare Gosse ersetzt, die einen wesentlich schnelleren Entladevorgang erlaubte.


 

1970    Umbau Mälzerei / Keimkastenanlage

Von der Fa. Lausmann, Regensburg wurde eine Keimkastenanlage mit 3 Zellen eingebaut, die über einen modernen Hebeböden und Wenderwagen verfügte.


 

1970    Umbau Mälzerei / Neubau Weichen

Drei neue Weichen wurden von der Fa. Lausmann, Regensburg in das erste Untergeschoss der Mälzerei eingebaut.


 

1974    Bau Getreidesilo Alte Schreinerei

Ein großes Eisensilo wurde an die Mälzerei angebaut. Der Fuß lag in der alten Schreinerei und die Konstruktion ging durch den Bretterboden hindurch bis auf Dachhöhe des Mälzereigebäudes.


 

1981    Bau Getreideannahme

Getreidereinigung

Um eine schnellere Ernteabfertigung und bessere Reinigungsergebnisse zu erzielen, wurde an das Mühlengebäude über die Gosse eine Getreideannahme angebaut. Die Konstruktion ist schwebend im ersten Stock angebracht und zwei Stockwerke hoch. Die Bauausführung übernahm die Fa. Trautner Bayreuth. Gleichzeitig wurde ein moderne Waage eingebaut und alles mit einer elektrischen Steuerung versehen.

 

 

 

19??    Bau Außen-Getreidesilo am Mühlengebäude

Um noch mehr Getreide lagern zu können wurde an der Rückseite der Mühle (auf der Seite zum Krankenhaus-Parkplatz) ein großes Silo angebaut. Es erstreckte sich nahezu auf der gesamten Höhe des Gebäudes und war mit modernster Technik ausgestattet. Auch die alten Silos der Mühle wurden an die Elektrik  angeschlossen, so dass da beschwerliche Treppensteigen zum Umklappen wegfiel.


 

200?    Stilllegung der Mälzerei

Die wirtschaftliche Situation der Firma ließ leider immer mehr zu wünschen übrig. Vor allem in der Mälzerei wurden hohe Verluste eingefahren, die auf die veraltete Technik und die übermächtige Konkurrenz zurückzuführen waren. Schweren Herzens entschloss man sich von diesem Firmenzweig zu trennen. Im Frühjahr 200? wurde das letzte Malz gedarrt und im Laufe des Jahres ausgeliefert.


 

2005    Stilllegung der Mühle und Aufgabe des Getränkegeschäftes

Das endgültige Aus der Firma kam zum 31.12.2005. Die schwierige Wirtschaftslage, die Konkurrenz und die steigenden Kosten machten eine Weiterführung unmöglich.

 

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